Kiefergelenkstherapie

Das Kiefergelenk und die Ursachen der Schmerzen
Das Kiefergelenk ist die bewegliche Verbindung zwischen dem Unterkiefer und dem übrigen Schädel.

Wenn Sie Ihre Zeigefinger auf die Region vor den Ohrmuscheln legen und den Mund öffnen, können Sie auf beiden Seiten die Bewegungen im Gelenk spüren. Sie werden bemerken, dass diese Gelenke sehr flexibel sind und sich beinahe in alle Richtungen bewegen können.

Wenn Sie Ihren Mund öffnen, gleiten die abgerundeten Enden des Unterkiefers, die so- genannten Gelenksköpfchen, entlang der Gelenkpfanne an der Schädelbasis nach vorne. Wenn Sie Ihren Mund wieder schließen, gleiten diese Gelenkköpfchen wieder zurück in ihre ursprüngliche Position.

Bei jedem Schluckakt werden nun unbewusst alle diese Parameter vom Gehirn geprüft. Falls Asymmetrien auftreten setzt sich ein unwillkürlicher Kompensationsmechanismus in Gang. Ursache kann z.B. eine zu hohe Füllung sein. Entweder wird der unnatürliche Zahnkontakt durch vermehrtes Reiben der Zähne wieder auszugleichen versucht oder er verschiebt den Unterkiefer, bis er wieder beidseitig die bisherigen Vielpunktkontakte an den Zähnen verspürt. Allerdings geht dabei die Symmetrie und die gleichmäßige Spannung der Muskulatur verloren, was zu einer craniomanibulären Dysfunktion (CMD) führen kann.

Das Ergebnis können Veränderungen in der gesamten Statik des Körpers auftreten, die von leichten muskulären Nackenverspannungen mit Kopfschmerzen bis hin zu massiven Wirbelsäulenbeschwerden und einer Veränderung des Gangbildes führen können..

Statistiken zeigen, dass zwischen 60 und 70 Prozent aller Menschen zeitweise an solchen Funktionsstörungen leiden, und dass diese Störungen bei 10% dieser Menschen so stark ausgeprägt sind, dass sie einen Arzt aufsuchen müssen.

Neben den bereits geschilderten Auslösern ist immer häufiger der tägliche Stress für diese Kopf- und Gelenkschmerzen ausschlaggebend, denn viele Menschen knirschen nachts mit den Zähnen oder beißen ihre Zähne bei täglichen Stresssituationen zu fest aufeinander.

Folgende Anzeichen bzw. Angewohnheiten weisen auf eine Erkrankung hin:

  • Knackgeräusche in den Kiefergelenken
  • Zähneknirschen und -pressen, vor allem nachts bzw. bei starker Anspannung
  • ungleichmäßige und asymmetrische Bewegungen des Unterkiefers
  • Schmelzrisse in den Frontzähnen bzw. erkennbar „ausgefranste“ Schneidezahnkanten
  • Herausbrechen von Zahnfragmenten am Zahnfleischrand oder von Teilen von vorhandenen Füllungen und Verblendkronen
  • Einschränkungen der Mundöffnung
  • Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich, insbesondere im Wangen- und Schläfenbereich, oftmals nicht übertrieben stark, dafür aber an der gleichen Stelle wiederkehrend

Neben diesen Beschwerden ergeben sich vielfältige Auswirkungen:

Im Kopf, Nacken und Wirbelsäulenbereich:

  • migräneartiger und evtl. chronischer Kopfschmerz
  • Gesichtsschmerzen/Trigeminusschmerzen
  • Nackensteifheit
  • Verspannungen und Schmerzen im Bereich der Nacken- und Schultermuskulatur
  • Bandscheibenprobleme
  • Myalgien im gesamten Bereich der Lende, Hüfte oder der Knie
  • Bei Leistungssportlern erhöhte Verletzungsanfälligkeit

Im Bereich Augen und Ohren:

  • Lichtempfindlichkeit
  • Augenflimmern
  • Sehstörungen
  • Schmerzen hinter den Augen
  • Doppeltsehen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel
  • Ohrenschmerzen bzw. Hörminderung

Dazu kommen noch mögliche depressive Verstimmungen und Schlaflosigkeit.

Diese Symptome können auch nebeneinander und in unterschiedlicher Intensität auftreten, so dass es einer sehr präzisen Diagnostik bedarf.

Die zahnärztliche Therapie

Zunächst muss im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung der Kiefergelenke und der Kaumuskulatur die geschädigten Gebiete mittels einer Funktionsanalyse bestimmt werden, um zu entscheiden, in welche Richtung therapiert werden muss. Dazu sind Röntgenaufnahmen, Modelle und Kiefervermessungen notwendig. Je nach Beschwerdebild und Therapieansatz sind ein oder mehrere ergänzende Befunde von Spezialärzten wie Orthopäden, Augenärzten, Neurologen, Osteopathen etc. notwendig.

Unabdingbar für die Therapie ist eine optimale Zusammenarbeit von Orthopäden, Physiotherapeuten und Osteopathen. Nur so können Erfolge in überschaubarer Zeit prognostiziert werden.

So sind normale Aufbißschienen etwas Starres. Das Kiefergelenk allerdings ist ein dynamisches Bewegungssystem und benötigt deshalb auch eine funktionelle Schiene.